Issue 3/2016  -  ISSN 1470-9570

ARTICLES

Einleitung zum Themenschwerpunkt: Aktuelle literarische und filmische Darstellungen von kultureller Hybridität und Mehrsprachigkeit im DaF-/DaZ-Unterricht

Martina Moeller, Tunis (pages 1-5)

Einleitungview pdf (151kb)

„Mann, bin ich n Romanmaler oder was”? Identitätsprobleme eines „Deutschländers” in Feridun Zaimoğlus Briefroman Liebesmale, scharlachrot

Karina Becker, Paderborn (pages 6-26)

show_abstractView Becker view pdf (274kb)

Feridun Zaimoğlus deutsch-türkische Romanfiguren Serdar und Hakan fühlen sich als „Deutschländer": In Deutschland gelten sie als Ausländer, in der Türkei als Almancı. Hier wie da erleben sie sich als hybrides Subjekt, das verschiedene Kulturen in sich aufnimmt und doch aneckt. Ausgehend von Homi Bhabhas Begriff der „Hybridität" und der Vorstellung eines „verknoteten Subjekts" werden die im Briefroman angesprochenen Identitätsprobleme eines Deutsch-Türken hinsichtlich Sprache, Kultur und Individualität diskutiert. Es zeigen sich in allen Bereichen hybride Formen, die nur an einem dritten Ort, in der Poesie und im transitorischen Raum des Flugzeugs, auflösbar scheinen. Abgeleitet werden aus den Untersuchungen fachdidaktische Anforderungen und Umsetzungsvorschläge, insbesondere im Vergleich mit Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers.

DaF-Unterricht im Zeichen der Identitätsentwicklung – „Alles geht” mit oder ohne „Deutschcreme”?

Andriatiana Ranjakasoa, Bamberg (pages 27-51)

show_abstractview Ranjakasoaview pdf (267kb)

Wichtige Komponenten der Identitätsentwicklung wie Geschlecht, Einstellung, kulturelle und soziale Zugehörigkeit, aber auch milieuspezifische Instanzen wie Familie und Peer-Groups, sowie Medien sind für die Aneignung von Normen und Werten von entscheidender Bedeutung. Letztere liegen dem Selbst- und Fremdverständnis zu Grunde, das einem Individuum dabei hilft, sich selbst zu entdecken, Handlungen in der Lebenspraxis auszuführen und zu interagieren sowie sich in die Aufnahmegesellschaft zu integrieren.
Allerdings gelingt es DaF-Lernenden nicht immer, trotz der aktiven Teilnahme an DaF-Kursen sich in die Gesellschaft des Zielsprachenlandes zu integrieren. Einer der Gründe dieses Misserfolgs ist der Identitätskonflikt. Dadurch, dass der DaF-Unterricht aus didaktischer Sicht allerdings ein Ort ist, in dem nicht nur kognitive, sondern auch emotional-affektive Lernziele verfolgt werden, stellt sich die Frage, welchen Stellenwert er zur Identitätsentwicklung sich im Zielsprachenland befindender DaF-Lernender einnimmt.
Vor diesem Hintergrund setzt sich dieser Aufsatz zum Ziel, Potenziale des Musikvideoclips „Alles geht" von Tyron Ricketts (2010) und des Werbespots „Deutschcreme" bei der Identitätsentwicklung der skizzierten Zielgruppe zu erschließen. Im ersten Schritt wird der Begriff der Identitätskonstruktion unter anthropologischer Perspektive definiert, um die im zweiten Teil zu treffende didaktische Entscheidung im Sinne von Frederkings (2013) Dreiphasenmodell der Identitätsentwicklung im Unterricht theoretisch zu untermauern. Im dritten Schritt werden anhand der beiden o.g. Medien Unterrichtsvorschläge unterbreitet.

Deutschsprachige Literatur der Roma und Sinti im DaF/DaZ-Unterricht: Inter-/transkulturelles Lernen am Beispiel der Autobiographie Gypsy von Dotschy Reinhardt

Julia Podelo, Bayreuth (pages 52-74)

show_abstractView Podelo view pdf (271kb)

Seit über einem Jahrzehnt plädieren transkulturelle Arbeiten für die Einbindung von mehr-/anders- und fremdsprachiger Literatur in der Schule. Dennoch konzentriert sich die Mehrheit der literaturdidaktischen Forschung hierzu bisher auf die klassische „Migranten-/Minderheitenliteratur" oder auf den Einbezug von literarischen Werken aus unseren europäischen Nachbarländern. Ganz am Rande erscheinen beispielsweise (in zunehmender Anzahl) Publikationen zur Literatur deutscher Sprachinseln im Ausland (z.B. Russlanddeutsche) und (leider in noch immer zu geringem Maße) zur Literatur der Roma und Sinti. Mag dies vielleicht auch der geringeren Verfügbarkeit von derartigen Werken geschuldet sein, so erscheint es doch bemerkenswert, dass die deutschsprachige Literatur der Roma und Sinti nach wie vor von allen germanistischen Disziplinen marginalisiert, wenn nicht gar ignoriert wird - obwohl diese Bevölkerungsgruppen seit dem Mittelalter im deutschsprachigen Raum gegenwärtig sind. Dabei sind gerade hier interessante Aspekte zur kulturellen Hybridität (bedingt durch vielfältige Einflüsse auf die Kulturen der Roma und Sinti?) und zum Umgang mit Mehrsprachigkeit (Spracherhalt vs. Sprachverlust des Romanes?) zu erwarten. Der folgende Beitrag möchte anhand des autobiographischen Werks der bekannten Jazzmusikerin und Sinteza Dotschy Reinhardt erste Impulse und Anreize zur Auseinandersetzung mit dieser Literatur im DaZ-spezifischen Kontext liefern. Die Analyse erfolgt unter dem übergeordneten Fokus der kulturellen Hybridität und Mehrsprachigkeit, sowie unter der literaturdidaktischen Perspektive „Autobiographien im Deutschunterricht" und wie diese in einem DaF/DaZ-Unterrichtssetting nutzbar gemacht werden können.

Kulturelle Hybridität und Deutschsein in Zafer Şenocaks Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift

Martina Moeller, Tunis (75-90 pages)

show_abstractView Moellerview pdf (239kb)

Der deutsch-türkische Schriftsteller Zafer Şenocak wirft in seinem 2011 veröffentlichten Essayband Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift vielfältige Fragen zum Thema kulturelle Identität auf. Ausgehend von seiner eigenen Hybridität reflektiert er in der deutschen Gesellschaft dominante Einstellungen zum Thema kulturelle Identität und ihre Darstellung in aktuellen Integrationsdebatten. Wie Şenocak diese Themen erörtert, ist Gegenstand dieses Beitrags, der dies anhand folgender Fragen untersucht: Welche Entwürfe deutscher Identität sind in Şenocaks Text am Werk? Kreisen Şenocaks Überlegungen zur kulturellen Hybridität nur um die Identitätsbildung von Migranten und Deutschen mit Migrationshintergrund oder schließen sie auch die oftmals verleugnete Hybridität von monokulturell ausgerichteten Deutschen mit ein? Wie konstruiert Şenocak sein Deutschsein und welche Möglichkeiten eröffnet diese Darstellung kultureller Hybridität für den Einsatz im DaF/DaZ-Unterricht?

Filme für den interkulturellen DaF-Unterricht:
Andrea Štakas Das Fräulein und Feo Aladags Die Fremde

Florian Gassner, Vancouver (91-112 pages)

show_abstractView Gassnerview pdf (265kb)

Deutschsprachige Filme, die Mehrsprachigkeit und kulturelle Hybridität nicht nur darstellen, sondern auch kritisch beleuchten, entwickeln im interkulturellen DaF-Unterricht ein besonderes didaktisches Potenzial. Über den lebendigen Einblick in die Zielkultur hinaus bieten sie den Lernenden zudem Anlass und Mittel, ihre eigene Identität als kulturelle Grenzgänger zu reflektieren und zu artikulieren. Die persönliche Relevanz dieses Vorgangs lässt – in Anlehnung an Dörnyeis L2 Motivational Self System – eine verstärkte Identifikation mit dem Ziel des Fremdsprachenerwerbs erwarten. Feo Aladags Die Fremde (2011) und Andrea Štakas Das Fräulein (2006) sind zwei herausragende Beispiele für Produktionen, die den DaF-Unterricht auf diese Art bereichern können. Ihre besondere Leistung liegt darin, den Zuschauer mit Hilfe starker Identifikationsfiguren in eine fiktive Welt einzubinden, die die interkulturelle Begegnung in zugespitzter Form problematisiert.

top

REVIEWS

GThe Other in Contemporary Migrant Cinema: Imagining a New Europe?

by Martina Moeller, Tunis (113- 118 pages)

View Moeller Rezensionview pdf (138kb)

top

Erich Schmidt Verlag
images/narr_franke_attemptoNarr Francke Attempto Advertisement
DAAD