Issue 1/2019  -  ISSN 1470-9570

Sondernummer zum Thema: Mehrsprachigkeit
Gastherausgeber: Sabine Grasz, Oulu & Anta Kursiša, Helsinki

ARTICLES

Mehrsprachigkeit und Deutsch in den nordischen und baltischen Ländern – Einleitung zum Themenschwerpunkt

Sabine Grasz, Oulu & Anta Kursiša, Helsinki (pages  1-4)

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Einstellungen und Erfahrungen von Lehramtsstudierenden zur Mehrsprachigkeitsorientierung im Deutschunterricht

Åsta Haukås, Bergen (pages  5-24)

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Diese Studie analysiert die Erfahrungen und Einstellungen von drei norwegischen Lehramtsstudierenden im Fach Deutsch, die sich im universitären Unterricht zum ersten Mal mit dem Thema Mehrsprachigkeitsdidaktik beschäftigten und die im darauffolgenden Schulpraktikum versuchten, nach mehrsprachigkeitsdidaktischen Prinzipien zu unterrichten. Nach dem Schulpraktikum wurden die Studierenden im Rahmen eines Fokusgruppeninterviews über ihre Einstellungen und Erfahrungen befragt. Die Analyse des Datenmaterials hat ergeben, dass die Studierenden eine Implementierung der Mehrsprachigkeitsdidaktik im schulischen Deutschunterricht für sinnvoll halten. Dennoch sehen sie ein, dass sie während der Praxisperiode nur teilweise mehrsprachigkeits-orientiert unterrichtet haben. Sie haben zwar die Lernenden auf Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Sprachen aufmerksam gemacht, aber die Bewusstmachung und Übertragung von vorhandenen Sprachlernstrategien wurden nicht thematisiert. Die Studierenden möchten als zukünftige Deutschlehrende mit einer Mehrsprachigkeitsorientierung unterrichten und gerne mit Lehrenden anderer Sprachfächer zusammenarbeiten. Sie sind aber nur bedingt optimistisch, ob eine Zusammenarbeit im Arbeitsalltag tatsächlich realisierbar ist.

Mehrsprachigkeitsdidaktik im norwegischen DaF-Unterricht – der mühsame Weg vom Wissen zur Umsetzung

Beate Lindemann, Tromsø (pages 25-44)

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Im norwegischen Lehrplan für Fremdsprachen, der für den Unterricht in allen Fremdsprachen außer Englisch an norwegischen Schulen gilt, wird an mehreren Stellen auf die wichtige Bedeutung des Aspekts „Mehrsprachigkeit“ im Rahmen der Sprachvermittlungsaufgabe des Fremdsprachenunterrichts hingewiesen. Der Lehrplan gilt seit 2006, ist also keineswegs neu. Inwiefern und wie wird dieser Aspekt in der Unterrichtsrealität des norwegischen DaF-Unterrichts umgesetzt?
Ein vom Ministerium initiiertes Projekt (2017-2020), Deutschlehrern1 der Klassen 8 bis 10 (ungdomsskole) ein berufsbegleitendes Fortbildungsstudium anzubieten, macht es möglich, berufserfahrene Deutschlehrer jeweils ein Jahr lang als Studierende und Lehrer eng zu begleiten.
Der Beitrag gibt erste Einblicke in die Entwicklungswege der ersten Gruppe von Lehrern im Fortbildungsstudium in Bezug auf ihre Lehrereinstellungen und Unterrichtspraxis zu Mehrsprachigkeit im Fremdsprachenunterricht im Generellen und die Rolle der Mehrsprachigkeit im (eigenen) DaF-Unterricht im Besonderen. Das Forschungsprojekt stützt sich dabei u. a. auf Reflexionstexte zur konkreten Thematik, aber auch auf mehrere eigenverantwortlich durchgeführte Unterrichtsprojekte der Studierenden, mit zugehörigen Planungs-, Durchführungs- und Selbstevaluationsdokumenten.

Mehrsprachigkeitsdidaktik im frühen DaF-Unterricht in Dänemark und Norwegen – Lehrer- und Schülerperspektiven

Petra Daryai-Hansen, Kopenhagen, Beate Lindemann, Tromsø & Heike Speitz, Notodden (pages 45-71)

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In den skandinavischen Ländern arbeitet man seit vielen Jahren daran, den früheren Start mit 2. Fremdsprachen an den Schulen einzuführen. Seit einer Schulreform im Jahre 2014 wird nun in Dänemark DaF-Unterricht bereits ab der 5. Klasse angeboten. Dies kann als bedeutender sprachenpolitischer Erfolg bewertet werden. Trotz zweier erfolgreicher Pilotprojekte wird in Norwegen die 2. Fremdsprache noch immer erst ab der 8. Klasse angeboten. An einigen Schulen in Oslo lernen Schüler jedoch fakultativ bereits ab der 6. Klasse Deutsch oder andere Sprachen. Der Beitrag stellt Ergebnisse des Nordplus Horizontal-Projektes „Developing Early Foreign Language Learning and Teaching in the Nordic/Baltic Context” (2016-2018) vor. In diesem Projekt sollte ein Beitrag zur Methodik des frühen DaF-Unterrichts geleistet und der frühe DaF-Unterricht mit einer Mehrsprachigkeitsdidaktik verbunden werden. Nordische und baltische Fremdsprachenlehrer, Lehrerausbilder und Forscher haben gemeinsam Unterrichtsmaterial für den Anfängerunterricht entwickelt und Module für die Lehrerausbildung konzeptualisiert und erprobt. Der vorliegende Beitrag diskutiert Ergebnisse dieses Projektes mit Fokus auf der Lehrer- und Schülerperspektive. Welche Erfahrungen, welches Wissen und welche Einstellungen haben die jeweiligen Schüler und Lehrer zu Mehrsprachigkeit und Mehrsprachigkeitsdidaktik im DaF-Unterricht? Der zentrale theoretische Ausgangspunkt des Beitrags ist die Lehrer- und Schülerkognition. Methodisch wird auf Fragebogenuntersuchungen mit Lehrern und qualitative semistrukturierte Fokusgruppeninterviews mit Schülern zurückgegriffen.

Plurilinguale Aktivitäten im Fokus: Zur Sprachbewusstheit von Mitarbeiter/inne/n finnischer Unternehmen als L2-Nutzer/innen

Margit Breckle, Vaasa (pages 72-91)

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Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit Sprachbewusstheit von Mitarbeiter/inne/n finnischer Unternehmen als L2-Nutzer/innen, wobei die Reflexion der plurilingualen Aktivitäten Sprachenwechsel, Codeswitching, Sprachmittlung und Transfer im Mittel-punkt der Betrachtung steht. Die Datengrundlage umfasst neun semi-strukturierte Interviews, die im Rahmen des Projekts Unternehmenskommunikation zwischen Pohjanmaa und den deutschsprachigen Ländern durchgeführt wurden. Den theoretischen Rahmen bilden Sprachbewusstheit, plurilinguale Kompetenz und das Dynamische Modell der Mehrsprachigkeit (DMM) zur Beschreibung mehrsprachiger Sprachbeherrschung. Ziel des Beitrags ist es, auf Basis der Reflexionen der L2-Nutzer/innen plurilinguale Aspekte der Sprachverwendung offenzulegen und Sprachbewusstheit im beruflichen Kontext anhand ausgewählter Beispiele zu diskutieren. Die Untersuchung zeigt, dass plurilinguale Aktivitäten durch die interviewten Mitarbeiter/innen reflektiert werden, auch wenn sie ihre Erkenntnisse in unterschiedlichem Maße beschreiben (können). Einige der Reflexionen könnten sich als Hinweis auf ein erhöhtes multilinguales Bewusstsein und einen erweiterten mehrsprachigen Monitor im Sinne des Dynamischen Modells der Mehrsprachigkeit (DMM) deuten lassen.

Finnische DaF-Lernende und ihr Sprachenrepertoire. Zur Wahrnehmung des Sprachenlernens und der Sprachennutzung

Anta Kursiša, Helsinki (pages 92-118)

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Der Beitrag zeichnet ausgewählte Ergebnisse einer Befragung über die Sprachlernerfahrungen in allen bis dahin erlernten Fremdsprachen nach. Forschungsteilnehmende sind Studierende der Universität Helsinki, die zum Zeitpunkt der Befragung seit wenigen Wochen Deutsch lernen. Die Fragen beziehen sich im Einzelnen auf die Bedeutung jeder Sprache, auf die Sprachlernmotivation sowie auf die aktuelle Nutzung jeder Sprache. Laut den vorliegenden Daten nehmen das Englische und das Schwedische eine Sonderstellung bei den finnischen Fremdsprachenlernenden ein. Hinweise auf das Lehren und Lernen des Deutschen als Fremdsprache bekommt man dagegen aus den Angaben zu anderen LOTEs (languages other than Englisch). Die Antworten der Forschungsteilnehmenden werden unter Bezugnahme einschlägiger Forschungsbeiträge im Bereich der Fremdsprachenlernmotivation interpretiert. Der Beitrag schließt mit einigen Überlegungen dazu, wie der Unterricht in LOTEs grundlegend neuen Konzepten unterzogen werden könnte.

Mehrsprachigkeitsdiskurse im Bildungskontext in Lettland zwischen Populismus und Weltoffenheit

Heiko F. Marten, Riga & Sanita Lazdiņa, Rēzekne (pages 119-145)

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Unser Aufsatz diskutiert aktuelle Debatten zu Sprachen und Mehrsprachigkeit im Bildungssystem in Lettland. Theoretischer Hintergrund sind Debatten zur Mehrsprachigkeit, zu Spracheinstellungen und zur heteroglossischen Ideologie.
Nach einer kurzen historischen Einführung in Fragen des sprachlichen Ökosystems Lettlands stellen wir Beispiele aus der aktuellen Reform der Schulcurricula vor, die Mehrsprachigkeitsansätze aufgreifen. Diese Reformversuche werden allerdings durch weit verbreitete Diskurse in der lettischen Gesellschaft abgelehnt. Anhand von Reaktionen von Bildungspolitikern und in journalistischen Texten zeigen wir, wie einflussreich traditionelle Vorstellungen vom Sprachlernen nach wie vor sind und wie eine Modernisierung des Lettischunterrichts mit Fragen von nationaler Identität verbunden wird, in denen bisweilen sogar offen xenophobisch argumentiert wird. Gleichzeitig wird deutlich, wie im Diskurs im Interesse der „Rettung der lettischen Sprache“ mit Mythen und Halbwahrheiten operiert wird.
Der dritte Teil des Aufsatzes stellt in diesem Kontext zwei Studien unter Lehrern in Lettland vor, in denen explizit nach Einstellungen und Praktiken zu Code-Switching, Translanguaging und ähnlichen Phänomenen gefragt wurde. In den Antworten zeigt sich die Spaltung der Gesellschaft; jedoch zeigen die Ergebnisse auch, dass Perspektiven für einen modernen und mehrsprachigen Sprachunterricht in Lettland durchaus vorhanden sind.

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Conference Report

Tagungsbericht: Rückblick auf das 6. Scenario Forum Symposium
Universitäten auf dem Weg zu einer neuen, performativen Lehr- und Lernkultur

Manfred Schewe, Cork (pages 146-150)

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Erich Schmidt Verlag

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